Die Geschichte des Langenprozeltener Osterbrunnens
Von den einst zahlreichen alten
Osterbräuchen im
Main-Spessart-Gebiet sind kaum welche erhalten geblieben. So war es zum
Beispiel bis in die 50er
Jahre Sitte, dass sich die Mädchen am Ostermorgen mit frischem
Quellwasser waschen mussten.
Meist waren die Bräuche heidnischen Ursprungs und sind beim
Sprung in die „moderne Zeit“
untergegangen. Seit
Mitte der 80er Jahre wird aber wieder verstärkt das
Aufstellen von Osterbäumen, Osterkronen und das
Schmücken von
Osterbrunnen gepflegt. In vielen Dörfern rund um
Gemünden
(Main) und im Main-Spessart-Kreis
sind solche Arbeiten, liebevoll von Hand gefertigt, zum Blickfang
geworden.
So haben sich auch im Jahre 1991 die
Verantwortlichen des
Obst- und Gartenbauverein mit Imkergruppe in Gemündens
größtem Stadtteil
Langenprozelten Gedanken darüber gemacht, wie der Brunnen am
Pfarrer-Pfriem-Platz mit einer
Krone zur österlichen Festzeit verschönert und
geschmückt werden könnte. Und so machte sich
eine Vereinsabordnung auf den Weg in die Fränkische Schweiz,
um bei den
„Osterbrunnen-Profis“ zu lernen und Ideen zu
sammeln. Mit dem Kopf voller Visionen kehrten sie zurück
und bereits in den Folgemonaten wurde
das
Gerüst für die Osterkrone vom damaligen 2.
Vorsitzenden
Walter Bergmann nach einer Vorlage in Eigenleistung und mit
Übernahme
der Materialkosten gefertigt. Das ganze Jahr über
sammelten
die Vereinsmitglieder
ausgeblasene Hühner- und Gänseeier, die in den
Wintermonaten
kunstvoll bemalt und lackiert
wurden. Besonders schöne Motive waren auf den
Gänseeiern zu
finden. Dann war es am
Karsamstag des Jahres 1992 endlich soweit. Die Osterkrone, die in der
Scheune des 1.
Vorsitzenden Winfried Felbinger mit frischem Fichtenreisig gebunden und
mit den
Eiergirlanden geschmückt wurde, fuhr nun erstmalig auf dem
Traktorgespann von Franz Reinhard durch
das Dorf zum Pfarrer-Pfriem-Platz. Dort warteten 16 Helferinnen und
Helfer sowie ca. 5
Dutzend Schaulustige auf das Eintreffen der Osterkrone. Nach gut 1
½ Stunden
Feinarbeit war das Kunstwerk montiert und fertiggeschmückt.
2024 bewundernswerte, echte Hühner-
und Gänseeier, jedes ein kleines Kunstwerk für sich,
dekorierten die Osterkrone, für deren
Form die Kirchtumspitze der benachbarten Pfarrkirche St. Wendelinus
Pate stand. Die Macher
der Osterkrone in der damaligen Vereinsepoche hießen Erika
Brasch, Ruth
Breitenbach, Franz Walter, Dieter Rüb und Walter Bergmann, unterstützt von
vielen, vielen Helferinnen und Helfern.
Und so gestalteten die
Proazeller Gartler und Imker alljährlich
ihren Osterbrunnen mit immer neuen Ideen und Schmuckvarianten.
Künstlerisch unterstützt
wurden sie in den Folgejahren dabei von den malenden Halbprofis Frau
Maria Sauer und Frau
Marga Burkholz, die wertvoll gestaltete Gänseeier
beisteuerten. Aber auch Erika Brasch,
Maria Felbinger und Erhard Heisig waren Könner im Bemalen, was
bestimmte weltliche und
christliche Motive anging.
Viele Geschichten gäbe es zu
erzählen, die sich um den
Langenprozeltener Osterbrunnen ranken. Zwei davon, leider negative
Vorfälle,
möchte ich erwähnen. Bereits ein Jahr nach der
Premiere, in der Nacht von
Karsamstag auf Ostersonntag des Jahres 1993 kreuzten zwei jugendliche
Vandalen
aus Lohr am Main den Pfarrer-Pfriem-Platz und zerstörten
mutwillig im
angetrunkenen Zustand gegen 03.30 Uhr rund 1200 der bemalten Eier. Doch
die
Halbstarken blieben nicht unbeobachtet. Schreinermeister Thomas
Höfling sah das
Treiben von seiner Wohnung aus und hielt couragiert die Jugendlichen in
Schach
bis die Polizei am Tatort eintraf. Rund 3000 DM Sachschaden und
unzählige
ideelle Arbeitsstunden – anscheinend zu wenig, denn die hohe
Gerichtsbarkeit am
Amtsgericht Gemünden stellte das anhängige
Strafverfahren gegen die beiden Vandalen ein. Dies
haben die Proazeller Gartler und Imker dem Herrn Amtsrichter bis heute
nicht verziehen.
Und die Pannen wollten nicht abreißen.
Ein Jahr später, der
Berichterstatter schrieb das Jahr 1994 war am Dienstag nach dem
Osterfest in
der Main-Post Gemünden folgendes zu lesen:
„Kein Wasser im Osterbrunnen“; In Langenprozelten
ärgern
sich 240 Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereines mit angegliederter
Imkergruppe: Einige
hundert Arbeitsstunden haben sie in ihren buntgeschmückten
Osterbrunnen investiert, und
nun fließt kein Wasser aus dem Stein. Der Bauhof und die
Stadt hätten „geschlafen“, lautete
der Vorwurf des 1. Vorsitzenden Winfried Felbinger. Seit vergangenem
Herbst war bekannt,
dass die Umwälzpumpe kaputt ist. Er habe seit fünf
Wochen mehrmals auf die Reparatur gedrängt
und diese auch bis zum Gründonnerstag versprochen bekommen
– doch Stadtväter sahen
keinen Handlungsbedarf oder ihnen war der Sinn des
Osterbrunnenschmückens nicht
bekannt. Einen Tag nach dem Osterfest sprudelte jedenfalls das Wasser.
Nun zählen wir bereits das Jahr 2007
und in diesem Jahr wird
sich die Osterkrone in einem neuen Outfit den Betrachtern
präsentieren. Hintergrund für
diese Maßnahme ist die Tatsache, dass sich in den letzten 3-4
Jahren immer weniger
Vereinsmitglieder diesem Brauch annahmen und die Osterbrunnenmacher
können aus
gesundheitlichen Gründen nicht mehr so wie sie gerne
möchten.
Das veranlasste
die Vorstandschaft zu dem schweren Entschluss, die
Größe der
stattlichen
Osterkrone um 2/3 zu verringern, so dass der nötige
Arbeitsaufwand
in überschaubaren Grenzen bleiben wird. Karl Rüb und
Walter
Bergmann II haben den Vorschlag des 1. Vorsitzenden technisch in die
Tat
umgesetzt und in kürzester Zeit das Gestell für die
neue
Osterkrone
zusammengebaut. Gespannt warten die Vereinsmitglieder und
Mitbürger nun auf den Karsamstag und werden ihr Urteil
fällen, ob die kleinere Osterkrone gefällt oder
nicht. Eines
bleibt jedenfalls gleich.
Das Kreuz der Osterkrone blickt wie all die vergangenen Jahre wieder
hinüber zum Turm der
Pfarrkirche St. Wendelinus und der eine oder andere
langjährige
Besucher unseres Osterbrunnens
wird sich verwundert die Augen reiben und fragen: „Wo ist
denn
nur die schöne,
große Osterkrone abgeblieben?“ Dann sollte er einfach nur diese Zeilen lesen und findet
so die Antwort.
Die Fotos zeigen den Osterbrunnen aus dem Jahre 1992 in verschiedenen Perspektiven.
Seit dem Karsamstag, 07. April 2007
schmückt nun eine neu gestaltete, kleinere Osterkrone den
Brunnen am Pfarrer-Pfriem-Platz in Langenprozelten.
Text: Winfried Felbinger
Fotos: Wilfried Just